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Zum Rücktritt von König Albert II.


König Albert II. hat seinen Rücktritt angekündigt und übergibt am Nationalfeiertag die Fackel an die nächste Generation. Am 21. Juli wird Prinz Philipp wie einst Leopold I., der erste König der Belgier, den Eid auf die Verfassung ablegen. Nach einer 20-jährigen Amtszeit tritt der 79-jährige den wohlverdienten Ruhestand an.

In diesen 20 Jahren hat Albert II. hervorragende Arbeit geleistet. Er hat immer wieder bewiesen, wie wichtig die Rolle des Königs im föderalen Staatsgefüge ist. In einem Land, wo die manchmal doch sehr unterschiedlichen Interessen der Sprachgemeinschaften und der regional organisierten Parteien aufeinandertreffen, sind die Neutralität und das Vermittlergeschick des Staatsoberhaupts unabdingbar. Denn seine Aufgaben sind nicht nur repräsentativer Art. Er erteilt den Auftrag zur Regierungsbildung, wirkt als Vermittler zwischen Sprachgruppen und Parteien und steht symbolhaft für die Einheit des belgischen Staates.

Diese Rolle hat Albert II. gewissenhaft und mit viel Geduld und Weisheit erfüllt. Selbst in der lang anhaltenden Krise zur Bildung einer Regierung verlor er nicht den Mut. Ich werde nie seine Weihnachtsansprache im Jahr 2010 vergessen, als er im wahrsten Sinne des Wortes auf den Tisch hauen musste, um die Verhandlungspartner zur Raison zu bringen.

Für die geleisteten Dienste, sein Durchhaltevermögen und seine Liebe für Belgien verdient er unseren Respekt, unsere Dankbarkeit und unsere Anerkennung. Dem künftigen König der Belgier Philippe I. wünsche ich viel Erfolg bei der Ausübung  dieses wichtigen Amtes. Ich bin zuversichtlich, dass er seinen Weg finden und das Werk von Albert II. auf seine eigene Weise fortsetzen wird.

Mit freundlichen Grüßen

Karl-Heinz Lambertz
Ministerpräsident