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Finanzkrise


Die Finanzkrise verschont auch die Deutschsprachige Gemeinschaft nicht!

Genauso wenig wie sie für die jetzige Situation verantwortlich ist, kann die DG eine grundsätzliche Lösung für die sich daraus ergebenden Probleme bieten. Sie kann jedoch dazu beitragen, die Folgen der Krise abzufedern und die Betroffenen bestmöglich zu unterstützen. Dies geht nur durch das Eingehen effizienter Synergien mit anderen Entscheidungsniveaus: auf Ebene der EU, des belgischen Föderalstaates oder aber der wallonischen Region – mit der beispielsweise an einer gemeinsame Umsetzung des Marshall-Planes gearbeitet wird.

In diesem Sinne freue ich mich sehr über die Initiative von Premierminister Yves Leterme zur Stärkung des kooperativen Föderalismus. Um der Krise bestmöglich entgegenwirken zu können, arbeiten die Regierungen aller Teilstaaten sowie des Föderalstaates gemeinsam an der Umsetzung der strategischen Ziele der EU-2020-Strategie und weiterer wirtschafts- und beschäftigungsbelebender Initiativen.

Aber auch innerhalb der DG ist in verschiedensten konkreten Fällen dringendes Handeln gefragt. So zum Beispiel im Falle der Entlassungen bei Carrefour und Aspel. Die Betroffenen müssen bei der Suche nach neuen Arbeitsstellen und Möglichkeiten begleitet werden – eine bedeutende Herausforderung für das Arbeitsamt und verschiedene weitere Dienste der DG. Ich bin fest davon überzeugt, dass die Gemeinschaft für das Auffangen der sozialen Folgen der Krise gewappnet ist und über die nötigen Instrumente hierzu verfügt.

Ich würde sogar noch einen Schritt weiter gehen und behaupten, dass diese Krise eine Chance für die Zukunft unserer Gemeinschaft bedeutet. In diesem Zusammenhang fällt mir ein Zitat von John F. Kennedy ein: „Das Wort Krise setzt sich im Chinesischen aus zwei Schriftzeichen zusammen – das eine bedeutet Gefahr, das andere Gelegenheit.“ Die Krise bietet uns die Möglichkeit, strukturbedingten Schwächen der DG von Grund auf zu begegnen und die wichtigen Stärken unserer Region zu nutzen, um den Wirtschaftsstandort Ostbelgien weiter auszubauen. ‚Innovation’, ‚Regionale Kreislaufwirtschaft’; ‚Bildungsqualität’; Sozialwirtschaft’; ‚Tourismus’ und ‚Tagungsstandort DG’ sind hier meiner Meinung nach einige der wichtigen Schlagwörter. Zur Verwirklichung einer funktionierenden Entwicklungsstrategie in diesen Bereichen müssen alle Akteure an einem Strang ziehen. Neben den politischen Entscheidungsträgern und den Sozialpartnern sind dabei auch die Betriebe und die Bürger der DG direkt gefordert. Die zielstrebige Umsetzung des Regionalen Entwicklungskonzeptes (REK) bietet allen die Gelegenheit, sich ergebnisorientiert einzubringen.

Karl-Heinz Lambertz
Ministerpräsident