Reden

Dankesrede anlässlich der Verleihung des Großen Tiroler Adler Ordens


Dankesrede von Karl-Heinz Lambertz, Ministerpräsident der Deutschsprachigen Gemeinschaft Belgiens, anlässlich der Verleihung des Großen Tiroler Adler Ordens

Reden-2012-10-25-Dankesrede KHL Großer Tiroler Orden Innsbruck (361.2 KiB)

Innsbruck, 25. Oktober 2012

Sehr geehrter Herr Landeshauptmann,
Sehr geehrter Herr Präsident des Landtages,
Verehrte Festversammlung,

ich weiß nicht, warum es gerade dem Politiker unter den Geehrten zufällt, die Dankesworte zu sprechen. Vielleicht deshalb, weil den Politikern der Ruf vorauseilt, auch dann Reden zu halten, wenn sie nichts zu sagen haben. Dieses Vorurteil möchte ich zumindest heute doch etwas entkräftigen.

Ich bin sicher, im Namen aller Geehrten zu reden, wenn ich Ihnen unseren tiefempfundenen Dank für diese hohe Auszeichnung ausspreche.

Ich bin mir ebenfalls ziemlich sicher, dass die anderen Ordensträger, genau wie ich, ein großes Gefühl der Freude empfinden. Das Spektrum der Leistungen, die erwähnt wurden, war beeindruckend. Sie zeugen gleichermaßen vom Engagement der Geehrten und von der Weltoffenheit des Landes Tirol. So unterschiedlich die verschiedenen Bereiche waren, allen gemeinsam ist ihre Beziehung zum Land Tirol: Einerseits die Chance im Leben etwas mit Verstand für und mit dem Land Tirol geleistet zu haben und andererseits diesem Verstand eine gehörige Dosis an Gefühl mitgegeben zu haben. Es ist diese Kombination von Verstand und Gefühl, die letztlich ausmacht, dass Beziehungen erfolgreich sind.

Das Land Tirol hat in der Republik Österreich eine hervorragende Rolle. Sie ist mir gestern sehr deutlich geworden, als ich im Südtiroler Landesprogramm von ORF2 einen Bericht über die Landeshauptleute-Konferenz, auf den Höhen der Zugspitze, gesehen habe. Das war sehr beeindruckend. Da ist mir dann noch einmal ein Spruch in Erinnerung gekommen, den ich schon mehrmals im Westen, in der Mitte und im Osten Österreichs gehört habe: „Wenn die Landeshauptleute zusammensitzen und sich über etwas einigen, dann ist es ziemlich egal, wer in Wien unter ihnen Bundeskanzler ist!“ Das wiederum hat ein paar interessante Parallelen mit meinem Heimatstaat Belgien… aber das möchte ich hier nicht vertiefen!

Tirol ist ein erfolgreiches Land, ein Land voller Dynamik und Perspektiven. Ich glaube, in den langen Jahren meiner Kontakte zu ihrem wunderbaren Land das Erfolgsgeheimnis Ihres Handelns, über Jahre und Jahrzehnte hinaus, entdeckt zu haben. Es ist übrigens ein Erfolgsrezept, das durchaus Nachahmer finden sollte und an der einen oder anderen Stelle Europas auch schon gefunden hat. Erfolgreiches Handeln auf Ebene von Bundesländern oder – wie man das im Europajargon nennt – von Regionen mit Gesetzgebungshoheit, zeichnet sich eigentlich immer durch die erfolgreiche Kombination von zwei Dingen aus: Einerseits von einer tief verwurzelten Verankerung in der eigenen Heimat. Da ist Tirol vorbildlich. Die Menschen müssen sich mit ihrer Region, mit ihrem Land identifizieren und bereit sein, sich für ihre Heimat einzusetzen. Das ist die eine Seite. Die andere Seite ist die Weltoffenheit und die erfolgreiche Vernetzung im eigenen Staat, in Europa, und anderswo in der Welt. Alle diejenigen, die die weltweite Vernetzung zeitgleich mit einer tiefen Verankerung ihres Handels in der eigenen Region kombinieren, gehören zu den Erfolgreichen. Da kann man von Tirol eine Menge lernen.

Tirol engagiert sich in hervorragender Weise in Europa. Mittlerweile ist es ja schon fast gefährlich, von Europa zu reden und Europa zu loben. Europa ist hier und heute für viele Menschen eine Bedrohung, etwas, wo sie nicht mehr mit der derselben Begeisterung hinter stehen, wie das noch zu der Zeit war, als ich mich als Jugendlicher bezeichnen durfte. Ich bin zutiefst davon überzeugt – ich weiß auch, dass diese Überzeugung von vielen Menschen in Tirol geteilt wird – dass es zur Fortsetzung der europäischen Integration keine wünschenswerte Alternative gibt.

Dieses Europa muss ein Europa sein, in dem insbesondere die Regionen einen angemessenen Platz einnehmen, nicht gegen die Staaten, sondern in einem vernünftigen Mehrebenensystem mit den Staaten, den Kommunen und den europäischen Institutionen. Da hängt für die Zukunft Europas Vieles von den Regionen ab. Gerade Politiker aus Ihrem Bundesland sind da seit vielen Jahren an allererster Front aktiv.

Ich möchte die heutige Gelegenheit nutzen, um Ihrem Landtagspräsidenten, Herrn Herwig van Staa, recht herzlich zu der ihm vor einigen Tagen anvertrauten Präsidentschaft im Kongress der Regionen und Gemeinden des Europarates zu gratulieren. Das ist schon etwas ganz besonderes, wenn jemand diese Präsidentschaft wahrnehmen darf. Es bedeutet jedoch einen Weltrekord, der nicht so leicht zu übertrumpfen ist, wenn jemand dieses Amt in seinem Leben gleich zweimal ausüben darf, wie das mit Herwig van Staa der Fall ist! (Applaus)

Im Namen aller Ordensträger möchte ich nochmals unseren tiefen Dank aussprechen und Ihnen sagen: Diese Ehre ist nicht nur ein Anlass zur Freude. Es ist vor allem ein Ansporn, auch in den kommenden Jahren und so lange es möglich ist, auf dem eingeschlagenen Weg der engen, intensiven und freundschaftlichen Zusammenarbeit mit dem Land Tirol fortzufahren. Vielen Dank!